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Die Ausstellung 'europäisches TextilDesign der 20er Jahre'

 

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Vom 12. September bis 15. November 1998 gewährten die Städtischen Kunstsammlungen Chemnitz Einblicke in ihre Kunst- und Gewebesammlung, die vor genau 100 Jahren als eine Vorbildsammlung für die sächsische Textilindustrie gegründet worden war.
Diese insgesamt rd. 20.000 Teile umfassende Sammlung beinhaltet seit 1928 zwar auch Gestaltungsvorbilder aus Holz, Metall, Glas, Keramik und Porzellan, hat jedoch ihren Schwerpunkt in der 1898 eingerichteten textilen Vorbildsammlung behalten, überwiegend mit Stoffmustern aus dem Interieurbereich (Dekorations- und Möbelstoffe). Neben Stoffen deutscher und österreichischer Herkunft sind auch solche aus Großbritannien, Frankreich und Italien vertreten.
Diese international bedeutende Sammlung entstand fast zeitgleich mit der Wiener Secession (1897) und im Gründungsjahr der Vereinigten Werkstätten in München. Es war eine Zeit großer Reformbewegungen, nach den Erfolgen der britischen Arts & Crafts-Bewegung, inmitten des aufblühenden Jugendstils und einige Jahre vor Gründung des deutschen Werkbundes.
Die Chemnitzer Ausstellung machte eines deutlich: In der zweiten Hälfte des 19. Jh. und noch bis in die 30er Jahre des 20. Jh. hinein gab es ein Bewußtsein für die Notwendigkeit zeitgenössischer Stoffmustersammlungen. Die Offiziellen aus Politik und Textilindustrie, die jetzt vollmundig diese Ausstellung eröffneten, verloren kein Wort darüber, warum sie heute nicht mehr bereit sind, die Fortsetzung solcher Sammlungen zu finanzieren.
Man braucht heute - wie damals - ein detek-tivisches Gespür, viel historisches und technisches Wissen, um eine zeitgenössische Stoffmustersammlung zu Ausbildungszwecken fortzuschreiben. Es wird sich noch einmal als verhängnisvoll herausstellen, daß sich heute keine Instanz in Europa mehr dieser Mühe unterzieht. Wir sind dabei, ein Stück textilkulturellen Gedächtnisses zu verlieren.
Man tröste sich damit, daß wenigstens die Gewebe, die bis zum 2. Weltkrieg entstanden, weiterhin in den Magazinen unserer Museen schlummern und bei Anlässen wie diesem auch teilweise in Katalogen dokumentiert werden. Der Katalog ?Europäisches Textildesign der 20er Jahre" enthält 200 Farbabbildungen, die natürlich nur sehr unvollkommen wiedergeben können, was an Stofflichkeit in den Exponaten steckt. Er umfaßt auf 160 Seiten außerdem Textbeiträge zur Art und zum Umfang der Textilsammlung aus der Feder der Textilkuratorin des Museums, Frau Katharina Metz, einen sehr kritischen Beitrag von Wieland Poser zur Textildesign-Ausbildung, ein Verzeichnis der abgebildeten Stoffe, Künstlerbiografien und ein Register der historischen Firmen, Werkstätten und Schulen.
Dietmar Laue

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