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von Beatrijs Sterk Zwischen der konstituierenden ETN-Konferenz in Erfurt, die im Juni 1991 stattfand, und meinen ersten Überlegungen zu einem internationalen Netzwerk für Textil liegt rd. ein Jahrzehnt. Als Niederländerin, in der Bundesrepublik Deutschland lebend, vermißte ich lange die weltläufige Atmosphäre meines Heimatlandes und die dort populäre Aufgeschlossenheit für textile Kultur. Der ungleich größere deutsche Sprachraum und die exponierte politische Lage meines Gastlandes sensiblilisierten mich andererseits sehr stark für globale Problemlagen. Im Jahre 1980 gründete ich mit anderen die internationale Gestaltervereinigung Textilforum e.V. 1981 brachten wir das erste Heft unserer gleichnamigen Zeitschrift heraus, vorerst in deutscher Sprache. Schon 1984 diskutierten wir mit Pariser und Londoner Kollegen die Herausgabe eines dreisprachigen Handbuches für ein (west)-europäisches Netzwerk für Textil, damals noch mit negativem Resultat. Als sich im Jahre 1989 das politische Gesicht unseres alten Kontinents schlagartig zu verändern begann und spürbar wurde, daß politökonomische Fragen die sozialkulturellen überschatten würden, blieb mir angesichts meines gewachsenen Problembewußtseins kaum eine andere Wahl, als das Notwendige sofort zu tun, meine ganze Kraft diesem von Sprachlosigkeit bedrohten, neuen Europa zu widmen. Denn Kultur ist nach meinem Verständnis auch eine Sache der Sprach- und Ausdrucksfähigkeit, deren textile Formen mich seit meiner Jugend beschäftigen. Im Februar 1990 verschickte ich einen Aufruf an 255 Institutionen in 25 europäischen Ländern, sich am Europäischen Netzwerk für Textil zu beteiligen. Die positive Resonanz war überraschend groß. Spontan antworteten 85 Adressaten aus 23 Ländern, darunter aus vielen Staaten des ehemaligen Ostblocks. Mir war zunächst wichtig, emotional engagierte Partner zu finden, die sich wie ich von den gesellschaftlichen Umbrüchen berührt zeigten und ihrerseits bereit waren, eine aktive Rolle im mühsamen Prozeß der Verständigung um konkrete Ziele und Programme für ETN zu übernehmen. - Die gegenwärtige Liste unserer ETN-Partner spiegelt den Erfolg dieser Suche nach eineinhalb Jahren Korrespondenz. Seit Juni 1990 konnte dank der Mithilfe von Textilforum e.V. ein Newsletter vierteljährlich erscheinen, der auf Englisch für den Informationsfluß zwischen den ETN-Partnern sorgt. Es wurde sehr schnell notwendig, über die zukünftige Struktur der Zusammenarbeit und den möglichen Status von ETN zu einem Meinungsbild und ersten Beschlüssen zu kommen. Hierzu sollte eine konstituierende Konferenz dienen, die dank der Unterstützung der EG-Kommission in Brüssel und des deutschen Innenministeriums auch kurzfristig ermöglicht wurde. Als ersten Konferenzort hatte ich die deutsche Stadt Erfurt ausgewählt. Als Haupstadt des neuen Bundeslandes Thüringen liegt sie im Schnittpunkt ost-westlicher Kulturen, vergleichbar bekannteren Städten wie Prag, Wien oder Budapest. Sie ist Austragungsort der neuen Objektkunst-Triennale "Configura - Kunst in Europa", die parallel zur ETN-Konferenz ihre Premiere feierte. Erfurt hat außerdem den Ehrgeiz, die 1150jährige Geschichte seiner Universität, an der schon Martin Luther studiert hatte, ab 1992 als Europa-Universität neu zu beleben. Der genius loci tat seine Wirkung: Das "Europäische Netzwerk für Textil" verwandelte sich dank der engagierten Mitwirkung aller Konferenzteilnehmer binnen dreier Tage von einer hoffnungsvollen Idee in ein konkretes Projekt zukünftig institutionalisierter Kooperation. ETN wird mehr als eine Agentur des internationalen Kulturaustausches sein. ETN wird die neugewonnene Weltoffenheit der Europäer widerspiegeln und ein Vorbild für weitere Initiativen zur kulturellen Integration werden. <- Kommunikation - Überblick Broschüre - Erste ETN-Konferenz -> | |||||||||||||||||||||||