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Erste Broschüre des Netzwerks (1991)VorwortDas Europäische Netzwerk für Textil ist eine Organisation, die begleitend zur wirtschaftlichen und politischen Integration Europas ergänzende Aufgaben auf einem kulturellen Teilsektor übernimmt. Das Netzwerk verbindet Wissenschaftler und Praktiker, Künstler und Techniker über fachliche, geographische und gesellschaftliche Grenzen hinweg zu vereintem Handeln. Die ETN-Mitglieder sehen die Notwendigkeit, zeitgemäße kulturelle Entwicklungen in Europa angesichts der beschleunigten Zivilisationsprozesse zu stärken und auf textilem Gebiet zur Wahrung und Steigerung der Lebensqualität beizutragen. Darum TextilTextil ist ein der Natur entlehntes Strukturprinzip. Textile Formen beziehen ihre Inspiration aus dem Begreifen der Welt. Sie wandeln und entfalten sich im Prozeß der Zivilisation. Textil ist kein Stoff, sondern ein notwendiges menschliches Repertoire im Stoffwechsel mit der Natur, wie auch Agrikultur und Architektur - ein Medium menschlicher Lebensorganisation, wie auch Sprache, Musik und Mathematik. Seine Formen und Inhalte, sein technischer und ritueller Gebrauch spiegeln wie diese den Entwicklungsstand einer Kultur. Mit zunehmendem Grad der Zivilisation hat die kulturelle Bedeutung von Textil abgenommen. Textil ist keine Disziplin in Wissenschaft und Kunst - und wird trotz seiner grundlegenden Bedeutung wie ein Stoff zur technischen und künstlerischen Bearbeitung behandelt. Nach Jahrtausenden menschlicher Erfahrung stehen wir wieder an einer Schwelle neuer textiler Entdeckungen und Erschließungen der Welt. Vor Beginn des 3. Jahrtausend neuer Zeitrechnung erleben wir eine weitere Revolution in der Anwendung textiler Techniken: Die sogenannten "technischen" Textilien gehören zu den wichtigsten Wachstumsfaktoren unserer Zeit. Dank intensiver Studien der Natur, des Formen- und Funktionsreichtums ihrer Mikrostrukturen, werden höchst innovativ neue nützliche Produkte erfunden. Dieser Bereich, der in wenigen Jahren weltweit die Hälfte der textilen Industrieproduktion einnehmen wird, gehört zu den kulturell noch kaum erschlossenen Gestaltungsfeldern. - In Wahrheit gibt es keine "technischen", "dekorativen" oder "künstlerischen" Textilien, sondern nur entsprechend motivierte Nutzanwendungen. Damit auf textilem Gebiet die Innovationskräfte gleichzeitig zum Wohle der Menschen und zur Anpassung der Zivilisation an die natürliche Umwelt wirken, müssen die technologischen und ökonomischen Entwicklungen kulturell verarbeitet werden. Denn die durch die moderne Zivilisation hervorgerufene ökologische Krise spiegelt die Krise der Menschheitskultur. Textil als ein konstitutives Element menschlicher Existenz deutlicher zu akzentuieren, seine Eigentümlichkeit stärker herauszuarbeiten und seine fruchtbaren Wechselwirkungen mit anderen Feldern der Kultur klarer ins Bewußtsein zu heben, kann durch eine interdisziplinäre und internationale Anstregung gefördert werden. Der versammelte Sachverstand aus Wissenschaft und Praxis, aus Kunst und Technik, die Präsenz historischen Wissens, regionale, ethnische und ideologische Kräfte müssen zusammenwirken, damit textile Anstöße für zeitgemäße Kulturentwicklungen möglich werden. Darum Textil - weil die Entfaltung textilkulturellen Bewußtseins Erkenntnisse und Wege für eine lebbare Zukunft finden hilft. | ||||||||||||||||||||